Von Arne Süßmuth
Bewegungsmangel stellt in den entwickelten Industrieländern einen bedeutenden Risikofaktor für zahlreiche chronische Erkrankungen dar. Auf Grund der veränderten Lebensumwelt von Kindern und Jugendlichen, die zunehmend durch Mediennutzung und eingeschränkte körperliche Aktivität gekennzeichnet ist, kommt es bereits in diesen Altersgruppen zu einem Rückgang der motorischen Fähigkeiten und der Manifestation von Übergewicht.
Definition
Unter Bewegungsmangel versteht man ein chronisches Defizit an körperlicher Betätigung bzw. körperlichem Training. Es kann die Vitalität des Körpers reduzieren und pathophysiologische (krank machende) Prozesse auslösen. Bewegungsmangel an sich ist keine Erkrankung, sondern ein erwiesener gesundheitlicher Risikofaktor, der die Entstehung von verschiedenen Erkrankungen fördert. Je früher Bewegungsmangel im Lebensalter einsetzt, um so stärker kann er die Entstehung von Krankheiten begünstigen. Die WHO empfiehlt daher vorbeugend mindestens eine halbe Stunde mäßige körperliche Aktivität täglich auszuüben. (Vgl. http://www.who-tag.de/2002themen_flyer2002.htm , 26.09.2003)
Hintergrund
Bewegungsmangel ist ein typisches Problem der modernen Wohlstands- bzw. Industriegesellschaft. Im Alltag werden immer mehr Hilfsmittel eingesetzt, die die körperliche Betätigung überflüssig machen. Statt zu Fuß zu gehen oder mit dem Fahrrad zu fahren, wird selbst für kurze Wegstrecken zumeist der PKW genommen (Vgl. Tabelle 1.: Umfrage zum Thema Körperliche Aktivitäten). Auch die Freizeitgestaltung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten mit negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen verändert, so das es zu einer stetigen Zunahme von „Zivilisationskrankheiten“, wie nachfolgend beschrieben, kommt. Mit Präventionsprogrammen wird versucht, bei allen Altersgruppen und Bevölkerungsschichten dem Bewegungsmangel vorzubeugen.
Tabelle 1.
Bitte beachten Sie, dass sich die Prozentangaben hinter den Einzelergebnissen, auf das Verhältnis zur Gesamtanzahl der ausgefüllten Formulare bzw. beantworteten Fragen beziehen.
| Umfrage: Körperliche Aktvitäten | Teilnehmer: | 52 | |
| Frage: | Antworten: | Anzahl: | Prozent: |
| 1.) Was ist Ihr Geschlecht ? | Weiblich | 21 | 40.38% |
| Männlich | 31 | 59.62% | |
| 2.) Wie alt sind Sie ? | Bis 15 Jahre | 1 | 1.92% |
| 16 bis 18 Jahre | 2 | 3.85% | |
| 19 bis 20 Jahre | 1 | 1.92% | |
| 21 bis 30 Jahre | 13 | 25% | |
| 31 bis 40 Jahre | 18 | 34.62% | |
| 41 bis 50 Jahre | 9 | 17.31% | |
| 51 bis 60 Jahre | 5 | 9.62% | |
| 61 Jahre und älter | 3 | 5.77% | |
| 3.) Wo ist Ihr ständiger Aufenthaltsort ? | Deutschland | 44 | 84.62% |
| Anderes Land | 8 | 15.38% | |
| 4.) Treiben Sie regelmäßig Sport oder Fitness ? | Ja | 21 | 40.38% |
| Nein | 31 | 59.62% | |
| 5.) Wieviele Minuten sind Sie durchschnittlich täglich körperlich aktiv (z.B. Gehen, Laufen, Radfahren, Schwimmen) ? | Weniger als 30 Minuten täglich | 13 | 25% |
| Ca. 30 Minuten täglich | 20 | 38.46% | |
| Ca. 30 bis 45 Minuten täglich | 12 | 23.08% | |
| Mindestens 45 Minuten täglich | 7 | 13.46% | |
| 6.) Haben Sie sich in der letzten Woche mindestens 1 Mal mit einer Dauer von mindestens 30 Minuten körperlich betätigt ? | Ja | 32 | 61.54% |
| Nein | 13 | 25% | |
| 7.) Wie bewegen Sie sich auf alltäglichen Wegstrecken (z.B. zur Arbeit, Schule, zum Einkauf) überwiegend fort ? Mehrere Angaben sind möglich. |
Mit dem Auto | 29 | 55.77% |
| Mit Bus oder Bahn | 10 | 19.23% | |
| Zu Fuß | 23 | 44.23% | |
| Mit dem Fahrrad | 9 | 17.31% | |
| Sonstiges | 4 | 7.69% |
Quelle: Online-Umfrage von Info-Gesundheit.de ® (Statistik v. 12.05.2007) erhoben mit opensurveypilot – Version 1.2
Bewegungsmangel als Risikofaktor für Zivilisationskrankheiten
Durch Bewegungsmangel wird das Risiko vieler Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und des aktiven und passiven Bewegungsapparates erhöht. Diese Entwicklung kann schon im Kindesalter beginnen, wenn auch die Folgen erst später immer deutlicher wahrgenommen werden. Als wissenschaftlich erwiesen gilt, dass Bewegungsmangel als Risikofaktor die Entstehung und Ausprägung von Zivilisationskrankheiten (auch Volkskrankheiten genannt) des Menschen fördert. Bewegungsmangel als Risikofaktor übt hauptsächlich negativen Einfluß auf Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems z.B. Chronische ischämische Herzkrankheit, Akuter Myokardinfarkt, auf Erkrankungen des Stoffwechsels z.B. Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und auch auf Erkrankungen des Bewegungsapparates aus. Obwohl diese Erkrankungen statistisch gesehen überwiegend erst in mittlerem bis höherem Lebensalter eine stärkere Ausprägung erhalten bzw. zum Tode führen (siehe Tabelle 2.), kann Bewegungsmangel um so stärker einen negativen Einfluss haben, je früher er einsetzt. Da auch Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit, Fettsucht; tritt u.a. anlagebedingt auf) als anerkannter Risikofaktor gelten und die Entstehung dieser Erscheinungen wiederum durch Bewegungsmangel gefördert wird, wird die Vorbeugung von Bewegungsmangel bei Kindern immer wichtiger, denn immer mehr Kinder sind übergewichtig und setzen Adipositas im weiteren Leben fort (Vgl. Statistisches Bundesamt, Robert-Koch-Institut, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 16 – Übergewicht und Adipositas). Ergebnisse der Mikrozensus-Zusatzbefragung 2003 des Statistischen Bundesamtes zeigten, dass im Mai 2003 schon 49% der erwachsenen Bevölkerung ab 18 Jahren Übergewicht hatten. Dies ist bereits ein Prozentpunkt mehr als 1999. Auch die Häufigkeit des Diabetes mellitus hat in den letzten Jahrzehnten erheblich zugenommen. Schätzungen gehen von derzeit ca. 4 Mio. Diabetikern in Deutschland aus (Vgl. Statistisches Bundesamt, Robert-Koch-Institut, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Gesundheitsbericht für Deutschland, 1998, Diabetes mellitus, Kapitel 5.20). Zu beobachten ist auch, dass gerade die Erkrankung Diabetes mellitus in Deutschland zunehmend auch im Kindesalter beginnt. Risikofaktoren für die Volkskrankheit Diabetes mellitus sind ebenfalls Bewegungsmangel und Übergewicht. Aus diesem Grund sollte möglichst frühzeitig der Entwicklung von Bewegungsmangel beim Menschen vorgebeugt werden. Geeignete Präventionsprogramme (möglichst primäre Prävention) sollten daher bereits für Kinder zur Verfügung stehen, um die Auswüchse derartiger Volkskrankheiten zu reduzieren.
Unter den zehn häufigsten Todesursachen1 in Deutschland (Statistik 2003) befinden sich (Hier ein Auszug von 3 Krankheiten mit dem Risikofaktor Bewegungsmangel):
Tabelle 2.
| Todesursache | Anzahl Gestorbene insgesamt | Anteil in Prozent |
| Chronische ischämische Herzkrankheit | 92 673 | 10,9 |
| Akuter Myokardinfarkt | 64 229 | 7,5 |
| Nicht näher bezeichneter Diabetes mellitus | 16 678 | 2,0 |
(Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland: Sterbefälle nach den 10 häufigsten Todesursachen
insgesamt und nach Geschlecht 2003, http://www.destatis.de/basis/d/gesu/gesutab20.php – 23.09.2005)
Die Umwelt als beeinflussender Faktor auf den Bewegungsmangel bei Kindern
Die Lebens- und Entwicklungsbedingungen für Kinder in Deutschland und anderen ähnlich entwickelten Industrieländern haben sich in den letzten Jahrzehnten auf Grund von zunehmenden technischen Fortschritts, Industrialisierung und dem Auswachsen von Ballungsgebieten deutlich verändert. Eine starke Zunahme des Straßenverkehrs und die damit einhergehende Gefährdung für Kinder steht in einem engen Zusammenhang mit den veränderten Bedingungen für das Spielen im Freien. Andererseits haben sich Wegstrecken, die früher zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt wurden, z.B. zum Kindergarten und zur Schule, durch die zunehmende Nutzung von privaten Personenkraftwagen und öffentlichem Nahverkehr reduziert. Städtische Gebiete sind von dieser Entwicklung am stärksten betroffen. Die früher zahlreicher zur Verfügung stehenden (natürlichen) Frei- und Spielflächen sind vielfach zunehmend einer stärkeren Bebauung gewichen. Weil der Straßenraum jedoch zum Spielen zu gefährlich ist, müssen für das Spiel im Freien Spielplätze oder andere Freizeiteinrichtungen aufgesucht werden. Diese sind in größeren Städten aber nicht immer über kurze Distanz zu erreichen, so dass hier wiederum oftmals eine Abhängigkeit der Kinder von ihren (berufstätigen) Eltern als Transport- oder Begleitmöglichkeit besteht. In Folge eines für viele betroffene Kinder zunehmenden kinderfeindlichen Wohnumfeldes kann es hier schnell zu einer „Verhäuslichung“ und damit zu abnehmenden Kontakten zu Gleichaltrigen und einer Reduzierung von sportlicher Betätigung kommen. Im Gegenzug nimmt auch die Anzahl der Kinder, die nachmittags vor dem Fernseher oder dem Computer sitzen, deutlich zu. Die Folgen einer „Verhäuslichung“ und damit verbundenem Bewegungsmangel sind oftmals und zunehmend psycho-motorische, kognitive und soziale Defizite bei den betroffenen Kindern.
Mögliche Ansätze zur Prävention von Bewegungsmangel bei Kindern
Unter der Berücksichtigung der oben beschriebenen Ursachen für Bewegungsmangel bei Kindern erscheinen verschiedene mögliche Ansätze als Ausgangspunkte für Präventionsmodelle als sinnvoll. Zum einen sollte die Selbständigkeit und damit die Unabhängigkeit der Kinder in Richtung körperliche Betätigung und Spielen im Freien gefördert werden, um einer zunehmenden „Verhäuslichung“ entgegenzuwirken. Kindern müssen wieder mehr Freizeiteinrichtungen und Spielflächen flächendeckend zur Verfügung gestellt werden, die gefahrlos und auch ohne Transportmittel zu erreichen sind. Ein möglicher Ansatz wäre hier die stärkere Integration von geeigneten Möglichkeiten in die Schule, da die Kinder hier nicht in der Abhängigkeit ihrer Familien bzw. ihres Wohnumfeldes stehen. Zum anderen sollte das Angebot insgesamt attraktiver, z.B. durch interessantere, abwechslungsreichere Aufbereitung, Bonusprogramme, Freizeitausgleich, mehr Gruppenaktivitäten, Kindertagesbetreuung etc. gestaltet werden.
Bestehende und abgeschlossene Projekte und Untersuchungen (3 Beispiele)
1.) Das Aktionsprogramm Umwelt und Gesundheit (APUG) hat in dem Zeitraum vom
01.12.2002 – 31.12.2004 das Projekt „Nachhaltige Mobilitätserziehung“ durchgeführt, mit dem Ziel, „Möglichkeiten zur Mobilitätsberatung in Schulen [zu erproben], um die selbstständige Mobilität der Schüler zu Fuß, mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zu stärken und die motorisierte Begleitmobilität durch die Eltern überflüssig zu machen“.
(Quelle: http://www.apug.de/kinder/projekte/mobilitaetserziehung.htm , 23.09.2005)
2.) Der Verein FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
Koordiniert die Gemeinschaftsaktion „Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten“
In Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit BMU, Umweltbundesamt UBA, Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen BMVBW, Bundesministerium für Gesundheit und So-ziale Sicherheit BMGS, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. (Quelle: http://www.zufusszurschule.de , 23.09.2005)
3.) Die Projektträger Niedersächsisches Kultusministerium und das Multimedia- und Internet-Aktionsprogramm n-21 betreiben in Zusammenarbeit mit den Projektpartnern, den Bezirksregierungen Braunschweig, Lüneburg, Hannover, Weser-Ems, der Gesellschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung, Wiesbaden, Dr. D. Breithecker, der Universität Lüneburg, Prof. Dr. Sieland und dem Gemeinde-Unfallversicherungsverband Hannover das Projekt „Bewegte Schule“ mit dem Ziel, „[...] ganzheitliches Lernen zu fördern, Schulleben zu gestalten und Schu-lentwicklung zu unterstützen“.
(Quelle: http://www.bewegteschule.de/redaktion/projekt/index.php , 23.09.2005)
Der Mehrebenenansatz für eine effektive Gesundheitsförderung
Für die Entwicklung von modernen Modellen zur schulischen Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung sollten mehrere Leitlinien (gemäß der Ottawa-Charta) formuliert und zwischen mehreren Handlungsebenen unterschieden werden, um eine Möglichst große Effektivität der Projekte oder Programme zu erreichen. Mögliche Handlungsebenen sind die Gesellschaft und Politik, die Lebenswelt und Umwelt, die Organisation und Institution, Gruppen und das Individuum.
Mögliche Handlungsebenen in einem Konzept für das Setting Grundschule
In Bezug auf die oben dargestellten theoretischen Ursachen von Bewegungsmangel und der erwähnten möglichen Ansätze zur Prävention von Bewegungsmangel könnten die in folgenden Handlungsebenen angedachten Ansätze für ein Gesamtkonzept zur Prävention von Bewegungsmangel in der Schule verknüpft werden:
Die gesundheitsförderliche Gesamtpolitik sollte gestärkt werden durch mehr Aufklärung, Gesundheitsbildung und Gesundheitserziehung. Die Gesundheitspolitik sollte mehr in die Verantwortung für das Problem Bewegungsmangel gezwungen werden. Hierzu bedarf es aber auch der Erstellung einer bis jetzt noch nicht vorhandenen epidemiologischen Statistik (Datenerhebung) für die Problemfelder Bewegungsmangel und Adipositas. Auch sollte die Gesundheitspolitik dazu bewogen werden, mehr Gelder für dauerhafte Präventionsprogramme in den Schulen bereit zu stellen. Die Folgen von Bewegungsmangel und Adipositas sind bekannt und verursachen hohe Kosten im Gesundheitswesen. Investitionen in die Prävention von Bewegungsmangel werden sich daher folglich lohnen.
Durch eine flächendeckende Schaffung von Spielplätzen in verkehrsberuhigten Bereichen / Wohnvierteln könnte versucht werden die Selbständigkeit und damit die Unabhängigkeit der Kinder in Richtung körperliche Betätigung und Spielen im Freien zu fördern, um einer zunehmenden „Verhäuslichung“ entgegenzuwirken. Zusätzlich könnten Anreize zu mehr Teilnahme an sportlicher Betätigung (z.B. in Sportvereinen, Fitnesszentren) durch mehr Bonusprogramme der Krankenkassen geschaffen werden. Eine bessere Gesundheitsinformation und Gesundheitsbildung der Eltern könnte auch das Verantwortungsbewusstsein in der Gesundheitserziehung ihrer Kinder fördern.
Der zunehmende Bewegungsmangel bei Kindern erfordert Präventionsmaßnahmen, die idealer Weise ihren Ansatz in der Schule finden. Hierfür ist eine Neuausrichtung der Organisationsentwicklung erforderlich, da die bisherigen Maßnahmen und Projekte scheinbar nur mäßigen Erfolg zeigen. Nicht alle Schulen verfügen über (ausreichende) Sport- und Spielplätze. Die vorhandenen Sport- und Spielplätze sind häufig zu klein oder entsprechen nicht dem Bedarf an Bewegungsmöglichkeiten für Kinder um der Entwicklung von kognitiven Defiziten bei diesen vorzubeugen. Mögliche Ansätze für eine Verbesserung des Angebotes im Schulbereich sind hier z.B. die Installation von Abenteuerspielplätzen, die eine stärkere Annäherung an die Bewegung in der freien Natur erzielen (Klettern, Balancieren etc.), forcierter Schulsport (z.B. Leistungskurse) oder auch Möglichkeiten zur Ausleihung von zusätzlichem Bewegungs- und Sportgerät in den Pausen. Denkbar wäre auch eine stärkere Zusammenarbeit mit Sportvereinen, Krankenkassen und anderen Institutionen und Personen (z.B. Ernährungsberater) um ein abwechslungsreicheres Angebot an Bewegungsmöglichkeiten und auch Gesundheitsbildung (Gesundheitserziehung) vor Ort – in der Schule bereitzustellen. Das Ziel sollte hier in einem Abbau von Distanz liegen, um für Kinder die Möglichkeit zur Bewegung wieder erreichbar zu machen. Bessere Vorraussetzungen zur Integration von derartigen Projekten bietet die Ganztagsschule, da bei dieser Schulform insgesamt mehr Zeit und Flexibilität zur Verfügung steht und die Kinder auch zeitlich insgesamt weniger unter dem Einfluss eines möglicherweise schädlichen Wohnumfeldes stehen.
Auch über die Förderung von Gemeinschaftsaktionen in der Schule könnte ein Beitrag zu mehr Bewegung geleistet werden. So könnten Klassenfahrten sportlicher ausgerichtet und mehr Wanderungen durchgeführt werden. Kleine Gruppen könnten zusätzlich durch sportlich Interessierte Eltern betreut werden. Die in Deutschland bekannten Bundesjugendspiele sollten wieder regelmäßig und flächendeckend durchgeführt werden.
Persönliche Kompetenzen der Kinder könnten durch Gesundheitsbildung gestärkt werden. Die sportliche Motivation der Kinder sollte durch Bonusprogramme und Annerkennung (z.B. Urkunden, Leistungsnachweise wie z.B. Schwimmabzeichen) gefördert werden.
Schlussbetrachtung
Bewegungsmangel als Risikofaktor für zahlreiche chronische Erkrankungen nimmt in den entwickelten Industrieländern zahlenmäßig nach betroffenen Personen – und damit auch an Bedeutung stark zu. Da die Entwicklung zeigt, dass immer mehr Menschen, vor allem Kinder, von den Folgen von Bewegungsmangel betroffen sind, ist dringend angezeigt geeignete Präventionsprogramme mit breiterem Ansatz zu entwickeln, die möglichst frühzeitig im Lebensalter der (jungen) Menschen angreifen. Die bereits vorhandenen Programme erscheinen bisher als zu einseitig und daher auch nicht ausreichend effektiv. Es wäre sinnvoll, mehrere mögliche Ansätze auf verschiedenen Ebenen zu kombinieren um bessere Ergebnisse zu erzielen. Die oben unter den einzelnen Handlungsebenen genannten verschiedenen Ansätze / Beispiele könnten, möglichst vereint in einem Gesamtkonzept für eine moderne Prävention von Bewegungsmangel bei Kindern, weiter für eine Lösung des Problems ausgearbeitet werden.
Autor: Arne Süßmuth, 2005. Überarbeitet 2007. © 2005-2007
Literatur
Aktionsprogramm Umwelt und Gesundheit (apug.de): Dokumentation, http://www.apug.de/archiv/pdf/apug_dokumentation_kap_%201,2.pdf (20.09.2005)
Aktionsprogramm Umwelt und Gesundheit (apug.de): Projekte, Nachhaltige Mobi-litätserziehung 01.12.2002 – 31.12.2004, http://www.apug.de/kinder/projekte/mobilitaetserziehung.htm (20.09.2005)
Brodtmann, D.: Gesundheitsförderung im Schulsport. In: sportpädagogik 22 (1998), 3, 15 – 26
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Hurrelmann, K.: Einführung in die Kindheitsforschung, Weinheim 2003, BELTZ Verlag
Israel, S. : Muskelaktivität und Menschwerdung – technischer Fortschritt und Be-wegungsmangel : Reflexion über die Notwendigkeit regelmässiger körperlicher (sportlicher) Bewegung, academia Verlag
Ketelhut, K.; Mohasseb, I.; Gericke, C.; Scheffler, C.; Ketelhut, R.: Verbesserung der Motorik und des kardiovaskulären Risikos durch Sport im frühen Kindesalter, Deutsches Ärzteblatt 102, Ausgabe 16 vom 22.04.2005, Seite A-1128 / B-945 / C-892 MEDIZIN
Kottmann, L.; Küpper, D. (Hrsg.): Gesundheitserziehung. Schorndorf 1996
Obst, F.; Bös, K.: Akzeptanz und Wirkung zusätzlicher Sportstunden in der Grundschule. In: Sport Praxis (1997), 2, 44 – 47
Priebe, B.; Israel, G.; Hurrelmann, K. (Hrsg.): Gesunde Schule. Gesundheitser-ziehung, Gesundheitsförderung, Schulentwicklung. Weinheim und Basel 1993
Schlicht, W.; Kanning, M.; Bös, K.: Psychosoziale Interventionen zur Beeinflussung des Risikofaktors Bewegungsmangel, 2003, Vas-Verlag für Akademische Schriften




Posts
Toller Beitrag!
| 16. Mai 2007 @ 12:11
Ich habe diesen Beitrag zwar spät erkannt, aber er ist immer noch aktuell, denn Bewegungsmangel stellt wirklich ein sehr großes Problem in den Familien dar und daran muss wirklich jeder arbeiten.
| 8. Juli 2008 @ 11:07